Nachrichten - Vermischtes

Aufräumen nach Schneechaos / Unfalltote in Thüringen

Längste Schneeperiode seit 30 Jahren

Erfurt

(tt/ddp) - Die längste Schneeperiode seit über 30 Jahren hat am Wochenende in Teilen Deutschlands erneut zu teils chaotische Verkehrsverhältnissen geführt. Wie schon Sturmtief «Daisy» vor drei Wochen suchte auch «Keziban» besonders Mecklenburg-Vorpommern heim. Bis zu 43 Zentimeter Neuschnee und Windböen bis Stärke 11 türmten meterhohe Schneeverwehungen auf, die den Straßen- und Bahnverkehr sowie das öffentliche Leben weiträumig lahmlegten. Am Sonntag waren die Autobahnen und die meisten Bundesstraßen wieder passierbar. Besonders von den Schneefällen betroffen war auch Nordrhein-Westfalen. Deutschlandweit ereigneten sich Hunderte von Unfällen. Mehrere Menschen kamen ums Leben.


«Keziban» war am Samstagnachmittag von der Ostseeküste nach Südfinnland abgezogen. Die Winterdienste in Mecklenburg-Vorpommern waren die ganze Nacht bei strengem Frost über im Einsatz, um meterhohe Schneeverwehungen zu räumen. Darin waren am Samstag Hunderte von Menschen in ihren Autos steckengeblieben. Bei Gützkow mussten am Samstagabend etwa 170 Autoinsassen in Notquartiere gebracht werden. Auf der A 20 und der A 14 war der Verkehr zum Erliegen gekommen. Örtlich fiel die Stromversorgung aus. Die Lage sei teilweise noch dramatischer als nach «Daisy», sagte ein Polizeisprecher.


In Rostock, Greifswald und Stralsund konnten Straßenbahnen und Busse am Sonntag den Betrieb wieder aufnehmen. Auch die Rügenbrücke wurde für den Verkehr freigegeben. Behinderungen gab es nach Polizeiangaben weiterhin auf mehreren Kreis- und Nebenstraßen. Auch die Probleme im öffentlichen Personennahverkehr auf Rügen und in Nordvorpommern hielten am Sonntag an. Die Insel Hiddensee blieb von der Außenwelt abgeschnitten, nachdem die letzte Eisbrecher-Fähre am Freitag ausgefallen war.


Der Zugbetrieb von Rostock nach Stralsund und Hamburg wurde wieder aufgenommen. Im Regionalverkehr und auf Nebenstrecken müsse jedoch noch mit Zugausfällen gerechnet werden, sagte eine Bahn-Sprecherin. Am Samstag war der Betrieb auf 18 Strecken eingestellt worden. Ersatzverkehr war wegen der Straßenverhältnisse nicht möglich.


Zweiter Schnee-Schwerpunkt war am Samstag Nordrhein-Westfalen. Dort brachte ein namenloses Randtief bis Samstag bis zu 29 Zentimeter Neuschnee. Die Polizei zählte von Samstag- bis Sonntagfrüh 2082 witterungsbedingte Verkehrsunfälle. Dabei wurden 100 Menschen schwer verletzt, einer starb. In Köln kam ein 24-Jähriger bei dem Versuch ums Leben, seinen in der Eisdecke eines Sees eingebrochenen Hund zu retten. Der entstandene Sachschaden beläuft sich auf insgesamt 4,76 Millionen Euro. Ab Samstagabend entspannte sich die Lage deutlich.


Auch in anderen Bundesländern ereigneten sich Hunderte von Unfällen. In Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg kamen Menschen bei Unfällen ums Leben.


Während sich am Wochenende Wintersportler über ideale Bedingungen freuten, machen Meteorologen Wintermuffeln Aussicht auf ein Ende der eisigen Temperaturen. Einige Trends wiesen darauf hin, dass es nach der nächsten Woche von Westen her milder werde, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die nächsten acht Tage bleibe es aber auf jeden Fall winterlich. Von Dienstag auf Mittwoch sei wieder in ganz Deutschland mit anhaltenden Schneefällen zu rechnen.


Deutschland erlebt laut dem DWD derzeit die längste Schneeperiode seit dem Winter 1978/79. Verbreitet halte sich die geschlossene Schneedecke bereits seit rund fünf Wochen.

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