
(tt/ddp) - In den ersten Wochen dieses Jahres sind in Thüringen bereits zehn sogenannte Erdfälle registriert worden. «Normalerweise entspricht diese Zahl bereits dem Jahrespensum», sagte der Geologe Jürgen Wunderlich von der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp. Grund für die Vielzahl der plötzlichen Absenkungen sei die Witterung: Durch die Schneemengen sei auch mehr Schmelzwasser in den Untergrund gesickert. Zuletzt hatten Erdfälle mitten in Nordhausen und Tiefenort für Schlagzeilen gesorgt. «In feuchten Jahren gibt es grundsätzlich mehr Erdfälle als in trockenen», erläuterte Wunderlich. Das Naturphänomen könne entstehen, wenn Wasser in bestimmte Erdschichten eindringe und diese auflöse. Dadurch bildeten sich unterirdische Hohlräume - ähnlich wie beim Bergbau - die durch die Last der Oberfläche einbrechen könnten. Die Absenkungen kämen in Gebieten mit wasserlöslichen Materialen in der Erdkruste vor. Das seien vor allem salzhaltige Schichten sowie Gips- und Kalkgesteine. Erdfälle treten den Angaben nach im mittleren und südlichen Bundesgebiet auf. In Thüringen sei etwa die Karstlandschaft im Kyffhäuserkreis und der Schiefergebirgsrand zwischen Saalfeld und Gera betroffen, sagte der Geologe. Auch die Umrandung des Kalireviers im Südwesten des Freistaats ist gefährdet. Zu diesem Gebiet zählt auch Tiefenort im Wartburgkreis, wo sich Ende Januar neben einer Straße ein zwei Meter tiefes Loch gebildet hatte. Die Krater könnten gewaltige Ausmaße annehmen: So gehe etwa der zehn Hektar große Burgsee in Bad Salzungen auf einen Erdfall in prähistorischer Zeit zurück, sagte Wunderlich. Ihm zufolge sackt die Erde häufiger in Wald- und Wiesengebieten als in Dörfern und Städten ab. Siedlungen seien seit jeher bis auf wenige Ausnahmen nicht in gefährdeten Gebieten entstanden. Allerdings werde der städtische Wohnraum knapper, sodass zunehmend auch solche Areale besiedelt würden. Die Kommunen müssten vorsichtig bei der Ausweisung von Baugrund sein. Sollten dort Häuser gebaut werden, müssten sie besonders massiv sein.



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